Landstreicher Konzerte GmbH & Landstreicher Kulturproduktionen GmbH

Do, 04.06.2015 · DOLDRUMS  

Privatclub, Berlin Einlass: 20:00 · Beginn: 21:00 · Preis: 12 € zzgl. Gebühren Tickets

‘The Air Conditioned Nightmare’’ ist der Name des neuen Albums von Doldrums. Formuliert hat ihn einst Henry Miller, als er nach zehn Jahren des Exils in die USA zurückkehrte. Eigentlich begeistert davon, jenes Land wiederzuentdecken, das er verlassen hatte, fand er nun einen stickigen Moloch aus Big Business, Verschmutzung, merkwürdiger Ehrbegriffe, Desinformation und Vorurteilen. Oder anders gesagt: Ein spirituelles, moralisches, kulturelles und ästhetisches Vakuum. „Nirgendwo sonst in der Welt‘‘, schrieb er 1945 in einer Sammlung von Essays, „ist die Trennung von Mensch und Natur so konsequent vollzogen‘‘.

Kurz: The Air Conditioned Nightmare. Siebzig Jahre später nun leiht das Buch seinen Titel dem zweiten Album der Doldrums, jener Band, die vom 25jährigen Airick Woodhead geleitet wird. Mit dem Nachfolger des Debüts „Lesser Evil‘‘ von 2013 gelingt dem DJ, Produzenten und Performer ein beträchtlicher Sprung vom Darling der produktiven Montreal Warehouse Kreativ-Explosion zum für sich allein stehenden Künstler und Komponisten mit Rundblick auf ein eigenes, sehr spezielles Universum. Die Doldrums fertigen musikalische Collagen, malen akustische Bilder mittels neuer Farbpaletten und konstruieren Sounds nach Airicks höchst eigenen, architektonischen Blaupausen. Sie wenden das Punkrock-Ethos auf die elektronische Musik an, indem sie Songs für Sampler und DJ-Gear anstelle von Gitarren kreieren. Frech, besorgt, traumhaft, erhebend, frostig, hypnotisch, beklemmend, expansiv, fremdartig. „Konflikte sind der Kern dieses Albums‘‘, sagt Airick, „es enthält eine Menge paranoider Stimmungen und schreckensartiger Symbolik‘‘, geboren auf einer endlosen Tournee durch die Vereinigten Staaten. „Eher zufällig‘‘, so Airick, „nahmen wir fast dieselbe Strecke, die auch Miller in seinem Buch beschreibt, und fanden heraus, dass Vieles daraus noch heute zu finden ist. Als Kanadier bin ich zwar Teil der nordamerikanischen Kultur, gleichzeitig aber auch eine Art Außenseiter in den USA. So wie eine Gestalt mit zwei Gesichtern‘‘. Airick Woodheads frühe Karriere war eine Zeit des Reisens und Erkundens, seine erste Band gründete er schon mit 13, später wechselte er auf den Produzentenstuhl.

Er führte das Leben eines Kommunarden inmitten einer Horde von Noise-Musikern, seine frühesten Sets wurden als „zerfleischtes Gabba und Humus eines knusprig verkrusteten Dancefloors‘‘ beschrieben. Doldrums rudimentären Solo-Aufnahmen glichen akustischen Schichtkuchen aus scheinbar Unvereinbarem: Bollywood-Soundtracks, 60’s Girl Groups, Modemsounds, Feedbacks. Elektronische Musik, verzerrt, gestreckt, irgendwie der Inbegriff zeitgemäßer Musik, entstanden im Hinterland moderner Technologien. Dem Raum also, wo Kopf und Herz zu kollidieren pflegen. Nachdem sich Doldrums zu einer fünfköpfigen Liveband entwickelt hatten, ging es ans exzessive Touren, oft mit Geistesverwandten wie Unknown Mortal Orchestra, Crystal Castles, Grimes und Purity Ring. „Ich habe Frank Zappas Idee, jede Performance als Chaos zu inszenieren, schon immer gemocht‘‘, so Airick, „ich trachte danach, jede Show zu etwas Einzigartigem werden zu lassen.‘‘ Während „Lesser Evil‘‘ noch auf einem Macbook mit kaputtem Screen entstand und damit auch das Medium die Message bestimmte, fährt „The Air Conditioned Nightmare‘‘ nun im Windschatten des Vorgängers. Es klingt wie Punkrock in seinen frühen DIY-Tagen, wie eine militante Verpflichtung zur Originalität und definiert dabei, vergleichbar den Werken von Portishead und dem Wu-Tang Clan, ein ganz eigenes Sound-Universum. Zehn erhaschte Sekunden reichen schon aus, um dich unrettbar hinein zu ziehen. Du musst sie einfach nur erstmal hören.

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